Die Männermode der 60er Jahre
Während sich die Mode der Damen überall sehr ähnelte, gab es in der Modewelt der Männer große Unterschiede. Die Hippiebewegung, die auf ihre neu erworbenen Ideale aufmerksam machen wollt und mit ganz eigenen Mitteln gegen Spießigkeit und blindem Gehorsam protestierte, versucht auch durch Aussehen und Kleidung eine klare Grenze zwischen sich und den vorhergehenden Generationen zu ziehen. Die Haare waren, vor allem den Männern, meist lang, offen getragen oder zum Pferdeschwanz gebunden, was Mütter und Väter der Nachkriegsgeneration als Affront gegen den guten Geschmack und Sittsamkeit verstanden.
Die Kleidung war schrill, bunt, wild zusammen gewürfelt ohne ein übergeordnete Grundkonzept erkennen zu lassen.
Auf der anderen Seite entwickelte sich eine völlig neue Moderichtung. Die so genannten Mods, das sich von dem Wort Modernisten ableitet, waren vorwiegend Söhne aus Familien der Unter- und Mittelschicht.

In den Kreisen, in denen nach dem Krieg der zupackende, pragmatische und kräftige junge Mann unverzichtbar war, gerieten die jungen Männer nun zusehends in eine Identitätskrise. Da das Zupacken und Aufbauen der Heimat nun großenteils der Vergangenheit angehörte, war auch der dazu passende Typus Mann nicht mehr zwingend erforderlich.
Die meisten absolvierten zwar eine Ausbildung, fristeten danach ihr Leben aber als einfache Angestellte und Verkäufer. Durch nicht allzu üppigen Lohn war Geld immer Mangelware und so auch der Zugang zu den Lokalitäten Treffpunkten der Oberschicht versperrt.
Aus diesem Wunsch nach Aufnahme in die gehobenere Gesellschaft entwickelte sich ein Modestil, der dies zu kaschieren versuchte.
Auch wenn der Tagesablauf des jungen, in die Krise geratenen Mannes oft von Raufereien oder Besäufnissen geprägt war, war doch der tailliert geschnittene, sorgsam in Details ausgearbeitete Anzug ein Muss. Da es an Gelegenheit zu deren Einsatz fehlte, war der muskulöse, zupackende und kräftige Mann nicht mehr gefragt. Androgyne Züge und gepflegtes, kurzes Haar galten als erstrebenwert. Sensibilität und Weichheit, die noch kurz zuvor als weibisch gegolten hatten waren nun en vogue.