Damenmode der 60er Jahre
Während in vergangenen Jahrzehnten die Kleidung für Damen vor allem eines zu sein hatte, nämlich praktisch, entwickelte sich in den 60er Jahren, die Lust den inzwischen vermehrt wahrgenommenen Körper auch in ansprechende Kleidung zu hüllen.
War der oberste Grundsatz in den Nachkriegsjahren, der von Mutter zu Tochter weitergegeben wurde, das alle Kleidungsstücke den weiblichen Körper züchtig zu umgeben hatten, entwickelte sich nun, auch in Anlehnung an das allgemeine Protestverhalten der Jugend, ein absolut gegensätzliche Strömung.
Sämtliche Kleidungsstücke für die junge Frau waren nun plötzlich zum Schrecken der älteren Generation hauteng und zeigten völlig frei, was die jungen Frauen an körperlichen Reizen zu bieten hatten. Kleider, Röcke, Pullover und Blusen waren so eng geschnitten, dass, auch wer wenig überflüssige Pfunde am Körper trug, sich oft nur beschwerlich in die neuen Stücke zwängen konnte.

Mit der Mode, die nun plötzlich alle Körperpartien in den Focus rückte, die bisher züchtig verhüllt waren, war auch ein nie da gewesener Körperkult geboren. Galt es nach dem Krieg als schön und gesund wirkend üppige Formen sein Eigen zu nennen, war nun superschlank das höchste Gebot der jungen Frau. Der bis heute anhaltende Grundstein für einen Boom zu neuen Diäten und Tipps für Einen schönen Körper war gelegt.
Das wohl beliebteste und zugleich umstrittenste Kleidungsstück der 60er Jahre war ohne Zweifel der von Mary Quant erfundene Mini- Rock. Die anfangs aus billigen Materialien und deswegen auch für Teenager erschwinglichen Kleidungsstücke traten von London aus ihren Siegeszug um die ganze Welt an. Die neusten Kollektionen wurden von superschlanken Models vor den Augen des begeisterten weiblichen Publikums auf den Laufstegen der Welt vorgeführt und frenetisch gefeiert. Selbst im prüden Amerika übertrafen die Verkaufszahlen alle Vorstellungen.
Was den jungen Mädchen ihr liebstes Kleidungsstück, war der älteren Generation und den Sittenwächtern der ganzen Welt ein Dorn im Auge. Die Röcke, die bislang immer das Knie der Damen bedeckt hatten, ließen nun freizügig Blicke auf die obersten Beinpartien zu.
Doch allen Moralpredigten zum Trotz lies sich der Vormarsch des neuen Kleidungsstücks, das vom Vatikan verboten wurde, nicht mehr aufhalten. Selbst im Winter wurde es nicht abgelegt, sondern, wie auch in heutiger Zeit wieder üblich, mit dicken Strümpfen und langen Mänteln ergänzt. In regelmäßigen Abständen taucht er alle paar Jahre wieder als Basic in den neuesten Kollektionen unserer Zeit auf.
Nicht lange nach der Erfindung des Mini- Rocks und eng mit ihm verbunden, stand ein neues Kleidungsstück auf der Bestsellerliste der Mode. Neuartige Strickmaschinen und die ersten Nylongarne erlaubten nun die Herstellung der ersten Feinstrümpfe, die bis heut aus den Kleiderschränken der Damenwelt nicht mehr wegzudenken sind. Bereits damals wurden sie in allen erdenklichen Farben und extravagantesten Mustern produziert.
Auch das Phänomen "Twiggy" ist eng mit der Modeentwicklung der 60er Jahre verbunden. Die 1949 geborene Frau avancierte praktisch über Nacht zur Stilikone des Modebusiness. Die kurzen Haare und die mehr als schlanke, knabenhafte Figur der jungen Frau, schienen vielen Frauen, die sich ab nun mit noch mehr Diäten quälten, als das erstrebenswerte Schönheitsideal der Zeit. Twiggy, deren Aufnahmen zu horrenden Preisen gehandelt wurden, wurde zum teuersten Model der Welt, das zahlreiche Modeschöpfer zu neuen Kreationen inspirierte. Es war das das aus der molligen Damen und das Genre des Supermodels war geboren.